Katastrophenschutz

Katastrophenschutz-Software: 7 Kriterien für die Auswahl im Landkreis

Offline-Fähigkeit, Hosting, Lagebuch, Pflege-Workflow, Kosten: worauf es bei Software für den Katastrophenschutz wirklich ankommt — als Kriterienkatalog für die Beschaffung.

Veröffentlicht: 15.07.2026 Lesezeit: ca. 8 Min. ResQware-Redaktion

Wer für einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt Software für den Katastrophenschutz beschafft, kauft kein Alltagswerkzeug. Das System wird an wenigen Tagen im Jahr wirklich gebraucht — aber an diesen Tagen unter den denkbar schlechtesten Bedingungen: Zeitdruck, Stress, möglicherweise ohne Strom und Internet. Die folgenden sieben Kriterien haben sich als Prüfraster für Markterkundung und Beschaffung bewährt.

1. Offline-Fähigkeit — das K.-o.-Kriterium

Das Paradox vieler Lösungen: Software für den Blackout, die eine Internetverbindung voraussetzt. Fragen Sie konkret nach:

  • Gibt es eine echte Offline-Kopie des Plans (nicht nur PDF-Export) — z. B. als verschlüsselte Anwendung auf USB-Stick?
  • Wie aktuell ist der Offline-Stand, wie einfach wird er erneuert?
  • Ist die Offline-Kopie verschlüsselt (Sticks gehen verloren)?

2. Hosting, Datenschutz, Klassifizierung

KatS-Daten sind sensibel — von Erreichbarkeiten über kritische Infrastruktur bis zu Objektinformationen. Mindestanforderungen:

  • Hosting in Deutschland, Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung verpflichtend, Konten nur per Einladung
  • Abgestufte Vertraulichkeit (z. B. INTERN bis STRENG VERTRAULICH) mit entsprechenden Zugriffsgates
  • Nachvollziehbarkeit: Wer hat wann was geändert oder eingesehen?

3. Dezentrale Pflege mit Freigabe-Workflow

Der häufigste Grund, warum KatS-Pläne veralten, ist organisatorisch: Eine einzige Stelle soll Daten pflegen, die überall im Kreis entstehen. Gute Software dreht das um — Gemeinden und Fachämter pflegen ihre eigenen Einträge, die Behörde gibt frei. Achten Sie auf: rollenbasierte Schreibrechte, einen Freigabe-Workflow mit Änderungsvergleich (Diff) und eine vollständige Historie.

4. Karte und Lagedarstellung

Ressourcen ohne Ortsbezug sind im Ereignisfall halb so viel wert. Prüfen Sie: interaktive Karte mit Filterung nach Kennzahlen/Kategorien, saubere Darstellung vieler Einträge (Cluster), und — oft übersehen — die Datenschutzfrage der Kartenquelle: OpenStreetMap statt Google Maps vermeidet Tracker und Drittland-Transfers.

5. Lagebuch und revisionssichere Dokumentation

Nach der Lage ist vor der Aufarbeitung — juristisch wie organisatorisch. Das System sollte ein chronologisches Lagebuch mit Kategorien (Lagemeldung, Entscheidung, Maßnahme …), Zeitstempeln und PDF-Export mitbringen. Nachträgliche unbemerkte Änderungen dürfen technisch nicht möglich sein.

6. Integration in den Alltag

Daten, die nur für den KatS-Fall gepflegt werden, veralten. Daten, die täglich benutzt werden, sind aktuell. Wenn Personal, Fahrzeuge und Erreichbarkeiten aus denselben Stammdaten kommen wie Schichtplan und Fuhrparkverwaltung, ist die Aktualität ein Nebenprodukt des Tagesgeschäfts — kein eigenes Projekt. Fragen Sie, ob das KatS-Modul allein stehen kann und ob es sich später mit Alltagsmodulen verbinden lässt.

7. Transparente Kosten

Vergleichen Sie nie den Monatspreis, sondern die Gesamtkosten über z. B. drei Jahre: Einrichtung, Lizenzen, Schulung, Datenübernahme, Zusatzmodule, Offline-Medien. Etablierte Systeme liegen schnell bei fünfstelligen Jahresbeträgen plus Setup. Verlangen Sie ein Angebot, das alle Posten ausweist — „auf Anfrage"-Preislisten sind ein Warnsignal für die Haushaltsplanung.

Checkliste für die Markterkundung

KriteriumPrüffrageK.-o.?
Offline-FähigkeitVerschlüsselte Offline-Kopie ohne Internet nutzbar?ja
Hosting & DSGVODeutschland-Hosting, AVV, 2FA-Pflicht?ja
Pflege-WorkflowDezentrale Bearbeitung mit Freigabe und Historie?empfohlen
KarteInteraktiv, gefiltert, ohne Google-Tracker?empfohlen
LagebuchRevisionssicher, kategorisiert, PDF-Export?empfohlen
IntegrationStammdaten mit Alltagsmodulen teilbar?nice-to-have
KostenAlle Posten über 3 Jahre ausgewiesen?ja

Wie ein Katastrophenschutzplan inhaltlich aufgebaut ist und warum die Pflege das Kernproblem ist, beschreibt unser Beitrag Katastrophenschutzplan: Aufbau, Inhalte und Pflege.

Häufige Fragen

Was kostet Katastrophenschutz-Software?

Die Spanne ist groß: Etablierte Systeme liegen häufig bei rund 10.000 € und mehr pro Jahr plus Einrichtungskosten. Vergleichen Sie die Gesamtkosten über mehrere Jahre inklusive Schulung, Migration und Zusatzmodulen — nicht den Monatspreis. Zur Einordnung: ResQware KatS kostet für einen ganzen Landkreis 499 €/Monat plus einmalige Einrichtung.

Reichen Word und Excel?

Für die Erstellung ja, für die Pflege nicht: keine dezentrale Bearbeitung mit Freigabe, keine Verknüpfungen, keine Historie, keine Karte. Das Ergebnis kennt jeder Kreis — veraltete Ordnerstände und Versionschaos.

Warum ist Offline-Fähigkeit so wichtig?

Weil das System für Lagen gebaut ist, in denen Strom und Internet ausfallen. Ein Plan, der nur in der Cloud existiert, ist im Blackout nicht da. Echte, verschlüsselte Offline-Kopien sind deshalb ein K.-o.-Kriterium.

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